Konrad Zuse (1910-1995)
Der Computer: mein Lebenswerk. Wozu der vielen Worte, denn mit dem Titel seiner Autobiographie lässt sich Konrad Zuses Wirken kurz und bündig schildern.
Geboren wurde Konrad Zuse am 22. Juni 1910 in Berlin; in Ostpreußen und Brandenburg wuchs er auf und studierte seit 1928 an der TH Berlin - "nicht ohne Irr- und Seitenwege", wie er humorvoll bekannte. Denn nach einer Einheit aus Ingenieur und Künstler trachtend, verlegte er sich erst auf Maschinenbau, dann auf Architektur, sah seine Hoffnung jedoch jeweils nicht erfüllt und landete schließlich beim Bauwesen. Dieses Studium schloss er - nach einem Zwischenspiel als Reklamezeichner - 1935 zwar erfolgreich ab, aber nicht ohne seitdem eine herzliche Abneigung gegen statische Rechnungen zu hegen, womit die Bauingenieurstudenten aus Zuses Sicht gequält worden seien. Und das war ein Glück, denn so kam es bald darauf zu der Geburt des Computers aus dem Geiste öden Rechnens. Zuses Tätigkeit als Statiker in einem Flugzeugwerk ließ diese Abneigung nämlich so prächtig gedeihen, dass er nach nur einem Jahr seine Stelle kündigte, um sich künftig der Entwicklung einer Maschine zu widmen, welche diese Rechnungen automatisch durchführen sollte. Überlegungen hierzu waren bereits 1933 entstanden, nun ging er mit Hilfe einiger Freunde jene legendäre Arbeit an, der 1941 mit der Z3 die erste funktionsfähige programmierbare Rechenanlage entsprang.
1942 hatte Zuse mit dem Bau der Z4 begonnen, die er sogar durch die Kriegswirren retten konnte; doch die äußeren Umstände jener Jahre ließen seine praktische Arbeit vorübergehend zum Stillstand kommen, weshalb sich Zuse - weit mehr als nur ein genialer Bastler - zunächst mit der Entwicklung einer Programmiersprache, des Plankalküls, beschäftigte. Der Prophet galt zwar noch nichts im eigenen Lande, aber zumindest das Ausland war auf ihn aufmerksam geworden, und neben Besuchern aus England, Frankreich und den USA durfte er 1949 Eduard Stiefel von der ETH Zürich empfangen. Dieser hatte die Möglichkeiten der Z4 erkannt und ließ 1950 die Anlage auf Ausleihbasis im Institut für angewandte Mathematik der ETH Zürich aufstellen. Von nun an ging es mit Zuses neugegründeter Firma bergauf, und nach einigen Jahren erwarb auch die TU Berlin mit der Z22 einen Rechner Zuses.
Der Versuch einer Zusammenarbeit mit der TH Berlin war für Zuse eher enttäuschend verlaufen, denn als 1938 ein Freund und er dort vor einem kleinen Kreise einen Vortrag über die elektronische Rechenmaschine hielten, ernteten sie Kopfschütteln; die Zuhörer sahen die zugegebenermaßen hohen Hürden, und Zuse gelang es nicht, sie dazu anzuspornen, die damit verbundenen hohen Herausforderungen bewältigen zu wollen. Immerhin erkannte ein Professor den Wert einer solchen Rechenmaschine, und an dessen Lehrstuhl erhielt Zuses Freund den Auftrag, ein Versuchsmodell eines Rechenwerks zu bauen. Nach dem Kriege war es insbesondere Wolfgang Haack zu verdanken, dass seit 1949/50 Kontakte zwischen der TU Berlin und Zuse geknüpft wurden; dieser hielt im Wintersemester 1953/54 eine Gastvorlesung, und vor allem ging 1958 die erwähnte Rechenmaschine Z22 in Betrieb, sodass nun auch die Universität, die Konrad Zuse auf Umwegen zur Erfindung des Computers inspiriert hat, endgültig in das neue Zeitalter eingetreten war.
Lit.: Über den Plankalkül als Mittel zur Formulierung schematisch-kombinativer Aufgaben. In: Archiv für Mathematik 1 (1948/49) - Der Plankalkül. St. Augustin 1972. - Der Computer: mein Lebenswerk. Berlin u. a. 1984.
[F. H.] |