Karl Zander (* 1923)
Karl Zander wurde am 10. April 1923 in Schwerin geboren. Nach dem Abitur 1941 wurde er zum Wehrdienst eingezogen und blieb bis Kriegsende im Einsatz bei der Heeres-Artillerie. Von 1946 bis 1951 studierte Zander Elektrotechnik an der TU Berlin und wurde anschließend Assistent am Lehrstuhl für Theoretische Elektrotechnik.
Als Entwicklungsingenieur bei der Firma AEG, den Posten hatte Zander 1956 angetreten, setzte er die damals neuen Fototransistoren für die Steuerung eines Walzwerkes ein, die erste europäische Entwicklung dieser Art. 1957 promovierte er an der TU und wurde 1958 Leiter der Abteilung Elektronik im neu gegründeten Institut für Kernforschung Berlin (später Hahn-Meitner-Institut - HMI). In der Folgezeit leitete er maßgeblich den Aufbau zahlreicher Großgeräte am HMI. Zander beschäftigte sich außerdem weiter mit Halbleiterelektronik, über die er bereits 1960 an der TU eine Vorlesung anbot. 1963 habilitierte er sich an der TU mit einer Arbeit über das Verhalten von Halbleiterbauelementen unter dem Einfluss ionisierender Strahlung. Durch diese Forschung begründete er eine langfristige Arbeitsrichtung des HMI, Strahlungsrisiken für Satelliten in Modellrechnungen und in Simulations-Experimenten zu erfassen und strahlenresistente Bauelemente zu entwickeln. Höhepunkte waren Projektbegleitungen für die ersten europäischen Weltraum-Satelliten, aber auch für die deutschen Experimente bei NASA-Missionen zum Jupiter. 1966 wurde Zander in die Kommission für Weltraumforschung des Bundesministeriums für Forschung und Technik berufen.
Während eines einjährigen Forschungsaufenthalts am MIT 1966/67 befasste sich Zander mit der computergestützten Entwicklung (CAD) von Schaltungen. 1969 wurde Zander zum Ordinarius für Elektronik an die TU Berlin und gleichzeitig zum Direktor des Sektors Elektronik im HMI berufen. Durch die Vernetzung von TU- und HMI-Aktivitäten entwickelte sich in seinem Umkreis die seinerzeit modernste Forschung und Universitätsausbildung der Elektronik in Deutschland. Im gleichen Jahr initiierte er die Gründung der Arbeitsgemeinschaft für Großforschungseinrichtungen, der Vorläuferin der heutigen Helmholtz-Gesellschaft.
Besonders engagierte sich Zander für die Ausstattung der Hochschulen und Forschungsinstitute in Berlin mit modernen Rechnernetzen. 1974 begründete er das HMI-NET, den damals größten deutschen Rechnerverbund. Seine Empfehlungen führten zum Verbund der Universitätsrechenzentren mit dem Großrechenzentrum Berlin, woraus sich 1977 das Berliner Rechnernetz für die Wissenschaft (BERNET) entwickelte. Auch an der Entwicklung des Deutschen Forschungsnetzes (DFN) war Zander maßgeblich beteiligt. Ebenso war er an der Planung und Entwicklung von BERKOM, einem breitbandigen Glasfasernetz, sowie dem TU-internen Breitbandnetz TUBKOM beteiligt. 1987 gründete Zander das Forschungszentrum für Offene Kommunikationssysteme der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung, dessen Leitung er auch übernahm.
Für sein Lebenswerk wurde Zander 1985 mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. 1991 wurde Zander emeritiert, und 2003 verlieh ihm die TU Berlin die Ehrenmitgliedschaft.
[J. Z.] |