Max Volmer (1885-1965)
Max Volmer wurde am 3.5.1885 in Hilden geboren, genoss eine gediegene humanistische Bildung, widmete sich der Musik und Literatur sowie der Biologie. Als erfolgreicher Entomologe und Orchideenzüchter blieb er zeitlebens den biologischen Neigungen treu. Er begann 1905 in Marburg das Chemiestudium und schloss sich dort Karl Schaum (1872-1947) an, der Volmers Interesse auf die Photochemie lenkte. 1908 folgte er Schaum nach Leipzig an das von Max Le Blanc (1865-1943) geleitete physikalisch-chemische Institut und wurde 1910 promoviert. Nach kurzem Militärdienst wurde Volmer Assistent am Leipziger Institut und habilitierte sich 1913 für anorganische und physikalische Chemie.
Im August 1914 wurde er eingezogen und 1916-18 als "Gasschutzoffizier" an das physikalisch-chemische Institut der Berliner Universität abgeordnet. Volmers "kriegswichtige Forschung" war marginal, nicht jedoch die Nähe zu Walther Nernst (1864-1941), dessen physikalische Denkweise ihn beeinflusste und darin bestärkte, bei allen wissenschaftlichen Problemen das Grundsätzliche zu suchen. An Nernsts Institut arbeitete er auch mit dem Physiker Otto Stern (1888-1969) zusammen. Die "Stern-Volmer-Gleichung" für die Intensität des Fluoreszenzlichts ist noch heute gültig. Dabei entwickelte er eine patentierte Quecksilberdampfstrahlpumpe. Ein guter Blick für die technische Umsetzung und Wirtschaftlichkeit seiner Forschung zeichnete ihn aus.
Nach kurzem Zwischenspiel als Leiter des wissenschaftlichen Laboratoriums der Auer-Gesellschaft nahm er 1920 den Ruf an die Hamburgische Universität an, wechselte jedoch 1922 auf die Stelle eines o. Professors und Direktors des Instituts für physikalische Chemie und Elektrochemie der TH Berlin. Hauptarbeitsgebiete waren die Phasenbildung und das Kristallwachstum sowie die Überspannung bei Elektrodenvorgängen. Nach 1933 war er verschiedenen Repressalien ausgesetzt, die mit der Verweigerung der Bestätigung seiner Wahl in die Preußische Akademie der Wissenschaften begannen und 1943/44 mit einem Dienststrafverfahren endeten. Die Situation am Institut verschlechterte sich, Mitarbeiter emigrierten oder wurden politisch verfolgt. Volmer resignierte und zog sich aus dem Institut zurück. Dennoch erschien 1939 sein Hauptwerk "Kinetik der Phasenbildung".
Nach Kriegsende sah er in Deutschland keine Arbeitsmöglichkeiten mehr und verpflichtete sich, seine Arbeiten in der Sowjetunion fortzusetzen. Dort widmete er sich der Deuteriumgewinnung und der Brennstoffaufbereitung, war an der eigentlichen Reaktorentwicklung jedoch nicht beteiligt. Als Volmer im Mai 1955 zurückkehrte, übernahm er, nach der Ernennung zum Professor für Physikalische Chemie an der Humboldt-Universität, die Präsidentschaft der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Seine Amtszeit wurde durch die Umstrukturierung und Neugründung von Forschungseinrichtungen sowie durch die Auseinandersetzungen zur Verhinderung eines Atomkriegs geprägt. Wegen Krankheit legte Volmer im Oktober 1958 sein Amt nieder und blieb bis zu seinem Tode am 3.6.1965 Vizepräsident. Ihm zu Ehren wurde das Institut für physikalische Chemie der TU Berlin 1952 in "Max-Volmer-Institut" benannt, und er wurde 1955 von der TU Berlin zum Ehrendoktor ernannt.
Lit.: Blumtritt, Oskar: Max Volmer 1885-1965: eine Biographie. - Berlin: TUB, 1985.
[M. E.] |