The shoulders on which we stand

125 Jahre Technische Universität Berlin

[TU Berlin]

[ Inhalt | vorherige Seite | nächste Seite ]

Bruno Taut (1880-1938) Bruno Taut (1880-1938)

"Und ich lebe von Licht", singt der Mensch, den man laut Heinrich Zille auch mit einer Wohnung erschlagen könne, mit Wohnungen, wie sie Zille tagtäglich im Berlin der Mietskasernen und deren berühmt-berüchtigten düsteren Hinterhöfen vor Augen hatte. Es galt zu handeln, während der Weimarer Republik wurde gehandelt, und Siedlungen entstanden, die dank der beteiligten Architekten wie Bruno Taut nur berühmt sind.

Geboren wurde Bruno Taut am 4. Mai 1880 in Königsberg. Seit 1897 besuchte er die Baugewerbeschule; nachdem er diese erfolgreich abgeschlossen hatte, ging er um die Jahrhundertwende aus Königsberg fort und ließ sich nach wechselnden Aufenthaltsorten 1908 in Berlin nieder. Hier lernte er Künstler wie den Dichter Paul Scheerbart kennen, dessen Visionen einer Glasarchitektur ihn beeinflussten, und zudem begann er gegen 1917, eigene Architekturvisionen wie die Bilderreihen Alpine Architektur mit einem Dom aus Glas und Die Auflösung der Städte zu entwerfen; hierzu war er durch Kropotkin angeregt worden, der mit Hilfe der Wissenschaft Stadt und Land miteinander versöhnen wollte. Handelte es sich dabei noch um Utopien, so wandte sich Bruno Taut dann ganz im Sinne des "hier, oder nirgends ist Amerika" einer Verbesserung der Wohnsituation in der Wirklichkeit zu und arbeitete an Siedlungen des gemeinnützigen Wohnungsbaues mit; er entwarf ungefähr zehntausend Wohnungen, seine bekanntesten und gelungensten Bauten sind die Waldsiedlung in Zehlendorf und die Hufeisensiedlung in Britz. Luft, Sonne und Grün wurden großzügig in die Wohnanlagen miteinbezogen, weshalb Bruno Taut rückblickend schrieb, damals sei die Sonne für den Städtebau entdeckt worden.

Doch in Deutschland sollte die Sonne erlöschen. Ein Licht auf die politische Lage der Zeit werfen schon die Begleitumstände der im Jahre 1930 erfolgten Berufung Bruno Tauts an die TH Berlin als Honorarprofessor, welche auf harten Widerstand der Fakultät stieß, weil er offen mit der Arbeiterbewegung sympathisierte. Als Hochschullehrer des Wohnungsbaues und Siedlungswesens wollte Taut seinen Hörern nicht bloßes Wissen vermitteln, vielmehr sollten sie sich ihres eigenen Verstandes bedienen und Wohnungen nicht einfach nach einem bestimmten starren Schema entwerfen. Insbesondere lag ihm am Herzen, dass sich die angehenden Architekten der hohen Verantwortung bewusst würden, die mit dem Wohnungsbau verbunden sei; hierzu schlug er neue Wege ein und ließ die Studenten Untersuchungen durchführen, damit sie Kenntnisse über die tatsächlichen Wohnverhältnisse und Lebensbedingungen in den Arbeitervierteln erhielten oder damit sie lernten, wie Siedlungen anzulegen und auszustatten seien.

Bruno Tauts Tätigkeit an der TH Berlin endete 1932, denn er ging nach Moskau, um dort als Architekt zu arbeiten. Jedoch erfüllten sich seine Hoffnungen nicht, und nachdem er vor Ort in der Sowjetunion ernüchtert worden war, kehrte er - die Gefahr verkennend - Ende Februar 1933 nach Berlin zurück. Dank einer Warnung entkam er seiner drohenden Verhaftung und war nun heimatlos; seine Flucht führte ihn zunächst nach Japan und 1936 in die Türkei, wo Bruno Taut am Heiligabend 1938 verstarb. Seine Architekturlehre erschien postum erst auf Türkisch, dann auf Japanisch und Jahrzehnte später schließlich auch auf Deutsch.

Lit.: Der Weltbaumeister. Architekturschauspiel für symphonische Musik. Hagen 1920. - Die neue Wohnung. Die Frau als Schöpferin. Leipzig 1924. - Die neue Baukunst in Europa und Amerika. Stuttgart 1929. -Architekturlehre. Hamburg und Berlin 1977.

[F. H.]


[ Inhalt | vorherige Seite | nächste Seite ]

Pressestelle | Impressum | 17.09.2004