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Hans Heinz Stuckenschmidt (1901-1988) Hans Heinz Stuckenschmidt (1901-1988)

Hans Heinz Stuckenschmidt wurde Musikhistoriker aus Zeitzeugenschaft, seine aufgezeichneten Tagesgeschichten der Musik verdichtete er zur Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Stuckenschmidt wurde am 1.11.1901 im damals deutschen Straßburg als Sohn eines Generalmajors und einer Pianistin geboren. Nach privatem Unterricht in Komposition, Klavier und Violine komponierte er seit seinem 18. Lebensjahr, gab Klavierkonzerte und leitete in den 1920er Jahren mit Josef Rufer (1893-1985) zwei Konzertzyklen. Ab 1920 arbeitete er als Berliner Musikkorrespondent bei der Prager Zeitschrift Bohemia. Als freier Musikschriftsteller in Hamburg, Wien, Paris, Berlin und Prag lernte er die führenden avantgardistischen Komponisten kennen, aber auch Maler, Literaten, Theaterleute, vor allem aus dem Kreis der Bauhauskünstler. Um nicht ein "gefürchteter Komponist und viel aufgeführter Kritiker" zu werden, gab er 1928 die eigene Musikausübung auf und widmete sich nun ausschließlich der Musikkritik, vor allem für die Berliner B.Z. am Mittag.

Die Teilnahme an Arnold Schönbergs (1874-1951) Analyse-Seminaren 1931-1933 prägte ihn nachhaltig und machte ihn zum engagierten Verfechter der Neuen Musik. Dafür von den Nationalsozialisten 1934 mit Schreibverbot belegt, ging er nach Prag und berichtete für das Prager Tagblatt und den Neuen Tag, wo ihn 1941 erneut das Schreibverbot traf. Nach dem Krieg kehrte er nach Berlin zurück und wurde Leiter der Abteilung Neue Musik beim amerikanischen RIAS, 1947 bei der renommierten, amerikanisch geleiteten Neuen Zeitung. 1947-1949 gab er mit Rufer die Zeitschrift "Stimmen" heraus.

1948 wurde Stuckenschmidt, der selbst nie studiert hatte, als Dozent an die TU Berlin berufen, die seit ihrer Wiedereröffnung nach dem Krieg ein Studium generale anbieten musste. 1953 zum Ordinarius für Musikgeschichte ernannt, beobachtete er weiter auf Reisen durch die ganze Welt das Musikgeschehen und berichtete darüber für so angesehene Zeitungen wie Die Welt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Neue Zürcher Zeitung und Stuttgarter Zeitung. Auch nach der Emeritierung 1967 blieb der brilliante Stilist publizistisch tätig.

Stuckenschmidt, der polyglotte Weltbürger, elegant und bissig-vornehm, war eine Schlüsselfigur der Berliner, ja der deutschen Musikszene. Mit Engagement kämpfte er für seine Überzeugung, der Gegensatz zu bürgerlicher Musik sei nicht die proletarische, sondern die weltbürgerliche Musik. Mit einem Buch über Schönberg 1951, für das er als erster dessen Nachlass auswerten konnte, begann eine ganze Reihe Musikerbiographien aus seiner Feder, über Igor Strawinsky, Boris Blacher, Johann Nepomuk David, Maurice Ravel, Ferruccio Busoni, Max Reger, vor allem 1974 das umfassende "Schönberg. Leben, Umwelt, Werk". Er machte die Leser mit der "Musik zwischen den beiden Kriegen", "Schöpfern der Neuen Musik" und "Oper in dieser Zeit" bekannt.

Stuckenschmidt wurde vor allem für sein publizistisches Werk mit dem Kritikerpreis der Salzburger Festspiele und dem Bundesverdienstkreuz geehrt, war Mitglied der Akademie der Künste Berlin und erhielt längst nach der Emeritierung seinen einzigen akademischen Grad, den Ehrendoktor der Universität Tübingen. Er starb am 15.8.1988 in seiner Wahlheimat Berlin.

Lit.: Stuckenschmidt, Hans Heinz: Ein Leben mit der Musik unserer Zeit - Zum Hören geboren, 1979. -Archiv der TU Berlin.

[B. E.]


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Pressestelle | Impressum | 17.09.2004