Günter Spur (* 1928)
Günter Spur wurde am 28. Oktober 1928 in Braunschweig geboren. Die Schulzeit war von den Kriegs- und Nachkriegswirren überschattet. 1948 begann er das Maschinenbaustudium an der Technischen Hochschule Braunschweig, und nach bestandener Diplomprüfung 1954 wurde er Konstrukteur bei der Werkzeugmaschinenfabrik Gildemeister in Bielefeld. 1956 wurde er zunächst Assistent, später Oberingenieur und Leiter des Versuchsfeldes am Institut für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik der TH Braunschweig, wo er 1960 promovierte. 1961 kehrte Spur zur Firma Gildemeister zurück und übernahm dort die Konstruktionsleitung.
Am 1. Oktober 1965 wurde Spur auf den Lehrstuhl für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik der Technischen Universität Berlin berufen und damit zum Direktor des gleichnamigen Instituts. Energisch machte er sich an die Erweiterung des Versuchsfeldes für Werkzeugmaschinen, 1968 konnte er eine neue Versuchshalle in Betrieb nehmen. Sofort griff Spur auch die am MIT begonnenen Arbeiten zur numerischen Steuerung von Werkzeugmaschinen auf. Spur hat maßgeblich zur Entwicklung der Programmiersprache EXAPT beigetragen, den Ausbau der CAD-Technologie forciert sowie neuartige Problemlösungen für den Einsatz von DNC- und CNC-Systemen erarbeitet. 1973 beschaffte Spur für das Institut für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik (IWF) einen der ersten Industrieroboter und begann mit der Entwicklung von Robotersteuerungen. Daneben vernachlässigte Spur aber auch nicht die namensgebenden Forschungsfelder Werkzeugmaschinen, mit deren thermischen und dynamischen Verhalten er sich eingehend befasste, und Fertigungstechnik, wo insbesondere neue Werkstoffe und neue Bearbeitungsverfahren zahlreiche Forschungsthemen lieferten.
1976 gründete die Fraunhofer-Gesellschaft das von Spur angeregte Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik. Durch einen Kooperationsvertrag mit der TU Berlin wurde es mit dem IWF zu einem Doppelinstitut unter gemeinsamer Leitung von Spur verbunden. Im Neubau des Produktionstechnischen Zentrums (PTZ) in der Charlottenburger Pascalstraße, der 1986 fertig gestellt wurde, konnte Spur die beiden Institute auch räumlich integrieren. Er leitete das PTZ bis 1997 und machte es zu einem weltweit anerkannten Zentrum für die gesamte Produktionstechnik.
Spur organisierte zwischen 1975 und 1995 acht Produktionstechnische Kolloquien, die sich als internationale Foren sowohl des wissenschaftlichen Austausches wie des konstruktiven Gesprächs zwischen Forschung, Wirtschaft und Politik etablierten. Spur war in zahllosen Gremien und Ausschüssen tätig, unter anderem als Kurator der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt und als Präsidialmitglied des Deutschen Instituts für Normung. Von 1991 bis 1996 war Spur Gründungsdirektor der Technischen Universität Cottbus. 1993 war er Gründungsmitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und wurde Sekretar der technikwissenschaftlichen Klasse. Seine außerordentlichen Verdienste um die Ingenieurwissenschaft fand in unzähligen Preisen und Ehrenmitgliedschaften in zahlreichen Akademien Anerkennung. Mehrere in- und ausländische Universitäten verliehen Spur die Ehrendoktorwürde, und der VDI verlieh ihm 1991 die Grashof-Denkmünze.
Lit.: Frank-Lothar Krause, Eckart Uhlmann: Innovative Produktionstechnik, München, Wien: Carl Hanser 1998
[J. Z.] |