The shoulders on which we stand

125 Jahre Technische Universität Berlin

[TU Berlin]

[ Inhalt | vorherige Seite | nächste Seite ]

Adolf Slaby (1849-1913) Adolf Slaby (1849-1913)

Am 18. April 1849 wurde Adolf Carl Heinrich Slaby in Berlin als Sohn eines Buchbindermeisters geboren. Nach Absolvierung des Realgymnasiums studierte er von 1869 bis 1873 an der Berliner Gewerbeakademie Maschinenbau. Anschließend promovierte er mit einer mathematischen Arbeit an der Universität Jena.

1873 erhielt Slaby eine Stelle an der Kgl. Provinzial-Gewerbeschule in Potsdam, wo er Mathematik und Mechanik unterrichtete. Daneben begann er mit sehr praxisorientierten Arbeiten auf dem Gebiet des Maschinenbaus und befasste sich intensiv mit der Elektrotechnik. 1876 habilitierte er sich an der Gewerbeakademie für Theoretische Maschinenlehre. 1879 wurde er Mitbegründer des Berliner Elektrotechnischen Vereins. 1882 wurde Slaby auf die Professur für Theoretische Maschinenlehre und Elektrotechnik an die TH Berlin berufen. Zwei Jahre später übernahm er auch den Aufbau und die Leitung des elektrotechnischen Laboratoriums an der TH.

Slabys hohe gesellschaftliche Anerkennung beruhte wesentlich auf seiner rhetorischen Begabung und der Fähigkeit, komplizierte technische Zusammenhänge auch für Laien verständlich aufbereiten zu können. 1893 wurde Wilhelm II. (1859-1941) auf Slaby aufmerksam, nachdem dieser erfolgreiche Vorschläge für eine Abänderung der elektrischen Beleuchtung im weißen Saal des Berliner Schlosses unterbreitet hatte. In der Folge wurde Slaby zu einem persönlichen Berater des Kaisers in technischen Fragen. Wilhelm II. erschien regelmäßig, manchmal auch mit großem Gefolge aus Heer, Marine und Ministerien, zu Slabys Experimentalvorlesungen an der TH.

Seit Mitte der neunziger Jahre arbeitete Slaby fast ausschließlich auf dem Gebiet der drahtlosen Telegraphie. 1897 reiste er nach Großbritannien, um als Beobachter an den Funkversuchen von Guglielmo Marchese Marconi (1874-1937) teilzunehmen. Nach seiner Rückkehr baute Slaby Marconis Gerät nach und entwickelt es anschließend mit seinem Assistenten Georg Graf von Arco (1869-1940) in Berlin weiter. 1898 wurde Graf Arco als Ingenieur bei der AEG angestellt, und damit begann die Zusammenarbeit von Slaby mit der AEG bei der industriellen Verwertung der "Funkentelegraphie".

Slaby entfaltete ausgedehnte Aktivitäten in den Berufs-, Fach- und Standesverbänden der Techniker, so war er 1893 Mitbegründer des Vereins Deutscher Elektrotechniker und dessen erster Vorsitzender sowie von 1906 bis 1908 Vorsitzender des Vereins Deutscher Ingenieure. Im Studienjahr 1894/95 war er Rektor der TH Berlin und wesentlich an der Vorbereitung einer Versammlung aller deutschen Technischen Hochschulen in Eisenach beteiligt, auf der die Forderung nach dem Promotionsrecht erneut erhoben wurde. Auf Slabys Einfluss ist es wohl zurück zu führen, dass Wilhelm II. den drei Technischen Hochschulen in Preußen anlässlich der Centenarfeier der TH Berlin 1899 das Promotionsrecht verlieh. Slabys Verdienste um die Anerkennung des Ingenieurstandes würdigte der VDI durch die Verleihung der Grashof-Gedenkmünze.

1898 hatte Wilhelm II. Slaby zum Mitglied des Herrenhauses auf Lebenszeit ernannt. Slaby war außerdem Mitglied der technischen Deputation für Gewerbe und Mitglied des Patentamtes. 1912 trat Slaby aus gesundheitlichen Gründen von seinen beruflichen und öffentlichen Ämtern zurück und verstarb am 6. April 1913 in Berlin.

Lit.: Karl-Heinz Manegold: Adolf Slaby, in W. Treue u. W. König: Berlinische Lebensbilder Bd. 6 - Techniker, Berlin: Colloquium Verlag 1990

[J. Z.]


[ Inhalt | vorherige Seite | nächste Seite ]

Pressestelle | Impressum | 17.09.2004