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125 Jahre Technische Universität Berlin

[TU Berlin]

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Hans Scharoun (1893-1972) Hans Scharoun (1893-1972)

Als ein Arkadien im Herzen Berlins tadelte ein Kritiker das Kulturforum und sprach damit ein wahres Wort. Dort hat nämlich Hans Scharoun seine schon Anfang der Zwanzigerjahre erhobene Forderung verwirklicht, dass in der Gegenwart wieder Stätten der Gemeinschaft und Stadtwahrzeichen zu schaffen seien, wohin die Sinne der Bewohner gerichtet seien. Die Krone aber sollte ein der Kunst gewidmetes Haus sein, und in der Tat erweist sich die Philharmonie als sein Meisterwerk.

Hans Scharoun wurde am 20. September 1893 in Bremen geboren, wuchs in Bremerhaven auf und studierte von 1912 bis 1914 Architektur an der TH Berlin. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er bis 1925 als freier Architekt im ostpreußischen Insterburg, danach lehrte er in Breslau und kehrte schließlich 1932 als freier Architekt nach Berlin zurück, wo er zudem von 1946 bis 1958 an der TU Berlin den Lehrstuhl für Städtebau innehatte. Während dieser Jahre an der TU Berlin veranstaltete er Kolloquien zum Städtebau, die regen Zuspruch fanden, und er legte Wert darauf, dass sein Institut ein Lehr- und ein Forschungsinstitut sein sollte, um den Studenten zu ermöglichen, sowohl an praktischen als auch an Forschungsaufgaben mitzuarbeiten.

Inmitten der Aufbruchsstimmung des Neuen Bauens während der Zwanzigerjahre hatte Hans Scharoun seinen Stil zu entdecken begonnen und unter dem Einfluss Hugo Härings zum organischen Bauen gefunden. Wie dieser betont er, dass eine "tragende Idee" vorhanden sein müsse, um den Entwurf eines Bauwerkes zu bestimmen; diese Idee erschöpft sich nach Scharoun nicht in einer bloßen Zweckerfüllung, sondern im Gegensatz zu einem äußerlich-starren, mechanischen Prinzip liegt gleichsam eine sich selbst entwickelnde, innere Gesetzlichkeit eines lebendigen Baues vor.

Berühmte Beispiele dieser Architektur zeigt das erwähnte Kulturforum. Menschen schließen sich zu einem Kreis zusammen, wenn unerwartet Musik erklingt; eine wohl bescheidene Beobachtung, die einen Hans Scharoun jedoch zur Idee einer Philharmonie inspiriert, wie sie einfacher und genialer nicht sein könnte: Er verlegt jenen Vorgang in einen Konzertsaal und lässt die Musik auch räumlich und optisch das Herz bilden. Um dieses Podium der Musiker sind die Zuhörer konzentrisch angeordnet, und dank einer nie gehörten Akustik strömen von einem Jungbrunnen neubelebende Klänge hinauf.

Gegenüber der Philharmonie liegt der erst nach dem Tode Hans Scharouns vollendete Neubau der Staatsbibliothek. Ein größeres und zu Mauerzeiten zweites Gebäude war erforderlich, Hans Scharoun aber entwarf voll visionären Wirklichkeitssinnes eine Bibliothek für ein zukünftiges Berlin ohne Mauer. Eine Behörde übernahm jedoch noch zu seinen Lebzeiten die Oberaufsicht und halbierte die Leserzahl, welche dem ursprünglichen Plan zu Grunde gelegen hatte. Trotz weiterer schwerer Eingriffe hat doch zumindest die Idee einer Leserbibliothek überdauert: Kein beklemmender Gerichtsaufgang voll einschüchternder Stufen bedrückt, keine düsterschweren Türen schotten gegeneinander enge Gebiete wie dumpfe Stücke zersprungenen Gutes schroff ab - sanft gleiten Leser in den weiten Saal, in den einen weiten Saal, welcher wieder in den Einklang weitet, sanfter gleitet ein Leser weiter in die lichte Stille: Der Geist ist frei, frei wie Fittiche des Himmels.

Lit.: Struktur in Raum und Zeit. In: Handbuch moderner Architektur. Berlin 1957. - Vom Stadt-Wesen und Architekt-Sein. Berlin 1986. - Bauten, Entwürfe, Texte. Hrsg. von Peter Pfankuch. Berlin 1993.

[F. H.]

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Pressestelle | Impressum | 17.09.2004