Ernst Ruska (1906-1988)
Ernst Ruska wurde am 25. Dezember 1906 in Heidelberg geboren. Nach Abschluss des Gymnasiums begann er 1925 an der TH München das Studium der Elektrotechnik und wechselte 1927 an die TH Berlin. 1928 wurde er Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe von Max Knoll (1897-1969) am Hochspannungsinstitut, die sich mit der Konstruktion eines Kathodenstrahloszillografen befasste. Hier sollte er die Fokussierung des Elektronenstrahls untersuchen und entwickelte in diesem Kontext eine elektronenoptische Anordnung zur vergrößerten Abbildung von Objekten. Ermutigt durch diesen Erfolg konstruierte Ruska mit Unterstützung von Knoll 1931 ein Elektronenmikroskop aus zwei magnetischen Linsen, das allerdings nur eine 17-fache Vergrößerung erreichte. 1933 konnte Ruska dann mit einer verbesserten Version eine Auflösung erzielen, die diejenige eines Lichtmikroskops übertraf. Die Eigenschaften magnetischer Elektronenlinsen kurzer Brennweite waren dann auch Thema seiner Dissertation von 1934.
Ende 1933 trat Ruska eine Stelle bei der Fernseh AG in Berlin an, wo er Bildempfangs- und Bildsenderöhren entwickelte. Gemeinsam mit Bodo von Borries (1905-1956), der ebenfalls in Knolls Arbeitsgruppe promoviert hatte, suchte Ruska nach industriellen Geldgebern, um aus der Versuchsapparatur ein serienreifes Elektronenmikroskop zu entwickeln. Schließlich überzeugten sie 1936 die Siemens & Halske AG und konnten ein Laboratorium für Elektronenmikroskopie bei Siemens einrichten. Ende 1939 wurde das erste Elektronenmikroskop ausgeliefert, und bis Kriegsende folgten etwa 35 weitere. 1944 habilitierte sich Ruska an der TH Berlin.
Nach dem Krieg musste Ruska zunächst die durch Demontage aufgelöste Entwicklungs- und Produktionsabteilung bei Siemens neu aufbauen. 1949 konnten wieder Elektronenmikroskope geliefert werden und 1954 wurde das Elmiskop I vorgestellt, das erstmalig eine Auflösung unter 10 Å erreichte und mit dem Siemens seine Führungsrolle auf dem Markt zurückerobern konnte - bis 1965 wurden über 1000 Instrumente verkauft. Daneben engagierte sich Ruska verstärkt in der wissenschaftlichen Forschung. 1947/48 leitete er eine Abteilung für Elektronenmikroskopie am Akademieinstitut für Medizin und Biologie in Berlin-Buch. 1948 übernahm er die Leitung einer Arbeitsgruppe am Fritz-Haber-Institut (FHI) in Dahlem. Seit 1949 lehrte er als Privatdozent an der TU Berlin und als Honorarprofessor an der FU Berlin. Ebenfalls 1949 wurde er auf der Gründungsversammlung der Deutschen Gesellschaft für Elektronenmikroskopie in Düsseldorf zu deren erstem Vorsitzenden gewählt.
1955 gab Ruska seine Industrietätigkeit bei Siemens auf. Er übernahm den Aufbau und die Leitung einer unabhängigen Forschungsabteilung für Elektronenmikroskopie am FHI, aus der zwei Jahre später das Institut für Elektronenmikroskopie wurde. Hier entwickelte er unter anderem das Einfeldkondensorobjektiv, mit dem später die meisten hochauflösenden Elektronenmikroskope ausgerüstet wurden. 1959 wurde er zum außerplanmäßigen Professor an der TU Berlin ernannt.
Ruska wurden in Laufe seines Lebens vier Ehrendoktortitel verliehen, verschiedene Akademien und wissenschaftliche Gesellschaften haben ihn zum Ehrenmitglied gewählt und er erhielt zahlreiche Preise, darunter zuletzt als höchste Auszeichnung 1986 den Nobelpreis für Physik. Ruska verstarb am 27. Mai 1988 in Berlin.
Lit.: L. Lambert und T. Mulvey: Ernst Ruska (1906-1988), Designer Extraordinaire of the Electron Microscope: A Memoir, in Advances in Imaging and Electron Physics 95 (1996), S. 1-62
[J. Z.] |