Franz Reuleaux (1829-1905)
In Eschweiler bei Aachen kam Franz Reuleaux am 30. September 1829 als Sohn eines Mechanikers zur Welt. Nach dem frühen Tod des Vaters 1833 zogen Mutter und Sohn nach Koblenz, wo Reuleaux eine praktische Ausbildung in der Eisengießerei und Maschinenfabrik Zilken erhielt. Ab 1846 arbeitete Reuleaux in der Maschinenfabrik seines verstorbenen Vaters, die ein Onkel übernommen hatte.
Von 1850 bis 1852 studierte Reuleaux Maschinenbau an der Polytechnischen Schule Karlsruhe. Mit seinem Studienkollegen Carl L. Moll (* 1831) gab er 1854 die "Konstruktionszeichnungen für den Maschinenbau" heraus. Das Werk erfreute sich bei den Studenten großer Beliebtheit, brachte den Herausgebern allerdings auch einen Plagiatsvorwurf ihres Lehrers Ferdinand Redtenbacher (1809-1869) ein. Von 1852 bis 1854 vertiefte Reuleaux seine naturwissenschaftlichen und philosophischen Kenntnisse durch Studien an den Universitäten in Berlin und Bonn. Anschließend war er in Köln in der Maschinenbauanstalt Baehrens tätig und erhielt 1856 einen Ruf an die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich. 1861 erschien die erste Auflage seines Werks "Der Construkteur", mit dem er dem praktisch tätigen Ingenieur ein Werkzeug zur systematischen Konstruktion von Maschinen an die Hand geben wollte.
1864 erhielt Reuleaux einen Ruf an das Königliche Gewerbeinstitut in Berlin. Von 1868 bis 1879 war Reuleaux Direktor des inzwischen zur Gewerbeakademie umbenannten Instituts. 1875 erschien mit dem ersten Band der "Theoretischen Kinematik" Reuleaux' wissenschaftliches Hauptwerk. Reuleaux wollte die Maschinenwissenschaften in eine exakte Wissenschaft verwandeln, die nach deduktiven Methoden vorging. Reuleaux' Kinematik fand sowohl entschiedene Anhänger wie heftige Kritiker.
Auf zahlreichen Weltausstellungen war Reuleaux als Jurymitglied oder als entsandter Reichskommissar tätig. "Billig und schlecht", sein Urteil über den deutschen Beitrag auf der Weltausstellung in Philadelphia, erregte in Deutschland großes Aufsehen. Er war außerdem Mitglied in der Technischen Deputation für Gewerbe, die die preußische Regierung in technischen Fragen beriet. Er trat in der Deputation mit Entschiedenheit für die Verabschiedung eines Patentgesetzes ein.
In den Jahren 1864 bis 1879 hat sich Reuleaux um die Entwicklung des Otto-Motors verdient gemacht. Er bestärkte Eugen Langen (1833-1895), dem Erfinder Nicolaus August Otto (1832-1891) sein Vertrauen zu schenken, als Mitglied der Technischen Deputation half er bei der patentrechtlichen Absicherung des Erfolges, und er sorgte dafür, dass der Otto-Motor auf der Pariser Weltausstellung 1867 mit der goldenen Medaille ausgezeichnet wurde. Ebenso setzte sich Reuleaux für das Schrägwalzverfahren von Mannesmann zur Produktion von nahtlosen Röhren ein.
Mit dem Zusammenschluss von Gewerbeakademie und Bauakademie zur Technischen Hochschule Berlin wurde Reuleaux Abteilungsleiter für den Maschinenbau und im Studienjahr 1890/91 Rektor der TH. 1896 zog sich Reuleaux ins Privatleben zurück. Die Universität Montreal und die TH Karlsruhe verliehen Reuleaux die Ehrendoktorwürde. Am 20. August 1905 starb Franz Reuleaux in Berlin.
Lit.: Hans-Joachim Braun: Franz Reuleaux, in W. Treue u. W. König: Berlinische Lebensbilder Bd. 6 - Techniker, Berlin: Colloquium Verlag 1990
[J. Z.] |