Willi Prion (1879-1939)
Der Kaufmannssohn hugenottischer Herkunft, am 30.11.1879 in Haspe (jetzt Hagen) in Westfalen geboren, verkörperte eine Synthese von französischem Esprit und westfälischer Dickschädeligkeit. Klares Denken, strenge Systematik, geschliffene Rhetorik bis zum ätzenden Sarkasmus, Weltoffenheit, impulsives Draufgängertum vereinte er in sich mit Unbeugsamkeit bis zum Trotz, Zähigkeit, Eigenwilligkeit und konzessionslosem Vertreten seiner oft kühnen Meinungen. Manchmal erschwerte er dadurch das Zusammenleben mit den Kollegen unnötig, doch arbeitete er auch mit ihnen in einer durch Akzeptanz von Kritik und kreative Offenheit geprägten Harmonie zusammen. Der jungen Disziplin Betriebswirtschaftslehre (BWL) vermittelte er einen Teil seines Wesens und beeinflusste zusammen mit seinen "Prioniden" ihre Anfangsrichtung.
Willi Prion besuchte nach einer Banklehre ab 1900 die Handelshochschule (HHS) Leipzig. Neben seiner Berufstätigkeit in der Reichsbank studierte er ab 1902 an der Universität Berlin Staatswissenschaften. 1910 in Freiburg/Br. zum Dr. rer. pol. promoviert, trat er eine Dozentur an der HHS München an, wo er sich für Handelswissenschaften habilitierte. 1913 kam er nach Berlin zurück, als Professor an die HHS. Im Ersten Weltkrieg wurde er als Kompaniechef verwundet und verschüttet. Ab 1917 als Beirat am Reichsschatzamt tätig, wurde er 1920 Ordinarius an der Universität Köln. Dort lehrte er BWL mit Themen ihrer Grenzgebiete zur Volkswirtschaftslehre (VWL): Finanzierung, Bankbetrieb, Börsenwesen, Kreditwirtschaft, Geld- und Währungsprobleme. Als 1925 Oberbürgermeister Konrad Adenauer (1876-1967) jedoch den Prüfungsvorsitz beanspruchte, verließ Prion empört Köln und übernahm ein Ordinariat an der TH Berlin.
Hier erwartete ihn Arbeit auf unbekannten Grenzgebieten. Prion sollte den völlig neuen Studiengang zum Wirtschaftsingenieur einführen, für den er noch 1925/26 einen Studienplan vorlegte, der einer TH adäquat, den Gegebenheiten der Technik angepasst und pädagogisch gut durchdacht war. Nach einjährigem Praktikum sollte das 8-semestrige Studium die Wirtschaft wissenschaftlich behandeln und zugleich technisches Denken lehren, damit die Absolventen die Lücke zwischen Diplomvolkswirten und -kaufleuten einerseits und den Fachjuristen und -ingenieuren andererseits ausfüllten. Dieses Wirtschaftsstudium, ein Jahr länger als bisher, stellte erstmals die BWL der bislang dominierenden VWL gleich. Geschichte und Philosophie der Technik wurden ebenso berücksichtigt wie Durchlässigkeit der Studiengänge zwischen TH und Universität. Prion betonte, Wirtschaft könne nicht technisch gehandhabt werden, die Studenten müssten in zwei unterschiedliche Denk- und Handlungsweisen eingeführt werden.
Prion schrieb klar und verständlich, eher große Linien als den täglichen Kleinkram zeichnend, aktuell wie "Kreditpolitik in der Inflation" 1925, systematisch wie die 3-bändige "Lehre vom Wirtschaftsbetrieb" 1935/36, auch popularisierend wie "Börsen - wozu?". Dessen Drucklegung erlebte er nicht mehr, Prion erlag am 28.1.1939 überraschend einem Herzschlag. Während Prions Bücher schnell veralteten, bekam das Wirtschaftsingenieur-Studium an der TU Berlin neue Aktualität und wurde Keimzelle einer neuen Fakultät.
Lit.: W. Hasenack: Zum Gedenken von Willi Prion, in: Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis 2 (1950), S. 498-504. - NDB.
[B. E.] |