Eberhard Klitzsch (* 1933)
Eberhard Klitzsch wurde am 18.8.1933 als Sohn eines Revierförsters in Remda/Thüringen geboren. Nach dem Schulbesuch in Weimar, Sondershausen, Schulpforta und Jena schrieb er sich 1951 an der Universität Jena für Geologie ein. Nach 1 1/2 Semestern konnte er nur durch Flucht nach West-Berlin der Verhaftung entgehen, weil er regimekritische Flugblätter verteilt hatte. Er begann nach der Aufnahmeprüfung an der Freien Universität Berlin (FU) das Studium von Neuem; das DDR-Abitur wurde erst aufgrund einer Nachprüfung anerkannt. 1958 wurde er mit einer Arbeit "Das Mitteldevon am Nordwestrand der Dillmulde" an der FU zum Dr. rer. nat. promoviert.
Nach dem Diplom 1957 war er bei einem United States Geological Survey-Team als Ingenieurgeologe tätig. 1958-67 Erdölgeologe bei der DEA-Libyen, war er erst Feldgeologe, dann Explorationsmanager. 1969 habilitierte er sich an der TU Berlin über "Die Strukturgeschichte der Zentralsahara" und wurde 1970 zum Professor ernannt. Hier baute er die angewandten geologischen Disziplinen auf: Hydro-, Erdöl- und Fotogeologie sowie Geologie von Afrika.
Nachdem Klitzsch den Ruf aus Gießen auf eine C4-Professur abgelehnt hatte, war er 1981 maßgeblich an der Gründung des Sonderforschungsbereichs (Sfb) "Geowissenschaftliche Probleme in ariden und semiariden Gebieten" beteiligt und bis 1995 dessen Sprecher. Schwerpunkt seiner Forschungen war die Gliederung der geologischen Großstrukturen, ihrer Wasserressourcen und deren Nutzungsmöglichkeiten. Eingebunden waren etwa 200 Wissenschaftler von TU, FU, Technischer Fachhochschule Berlin und afrikanischen Institutionen. Unter anderem resultierten aus diesem Sfb über 120 Dissertationen, davon 32 afrikanischer Doktoranden. Die Ergebnisse wurden von Klitzsch und Ulf Thorweihe in "Nordost-Afrika: Strukturen und Ressourcen" 1999 herausgegeben. Parallel dazu war Klitzsch federführend an der geologischen Erstaufnahme Gesamtägyptens in 20 Blättern beteiligt. Als Nachfolge des Sfb initiierte er den Forschungsschwerpunkt Internationale Geosystemanalyse GEOSYS und die GeoAgentur Berlin Brandenburg mit dem Ziel, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft für gesellschaftlich relevante Probleme der Geowissenschaften, wie die Veränderungen im Wasserhaushalt, zu sensibilisieren.
Seine intensiven Forschungen in Afrika und Nahost seit 1970 verschafften Klitzsch vielfältige Kontakte zu Institutionen in Entwicklungsländern. Er nutzte sie vor allem für die Aus- und Weiterbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses der Regionen: Er initiierte Partnerschaften der TU mit Hochschulen in Ägypten (Kairo, Assuit, Alexandria) und Somalia (Mogadishu) und 1987 einen Kooperationsvertrag der TU mit der Universität Khartoum. Er versah Kurzzeitdozenturen in Nigeria, Zambia und im Sudan, in Ife (Nigeria) beteiligte er sich am Aufbau der Angewandten Geologie; in Khartoum, Lusaka und Ife wurde er zum auswärtigen Prüfer ernannt. Als Herausgeber dokumentierte er seine Erfahrungen in "Research in Sudan, Somalia, Egyptand Kenya".
Klitzschs Engagement in der internationalen Wissenschaftsförderung wie in der Forschung wurde 1988 mit dem Bundesverdienstkreuz und 1999 mit dem Ehrendoktorat der Universität Khartoum gewürdigt; er ist Ehrenmitglied nicht nur der Deutschen Geologischen Gesellschaft, sondern auch der Geological Society of Africa.
Lit.: Archiv der TU Berlin
[B. E.] |