Wilhelm Hoff (1883-1945)
Zu des Geistes Flügeln noch die körperlichen wünscht sich nicht nur Faust, vielmehr kündet schon die Antike mit der Sage von Daidalos und Ikaros von dem uralten Traume des Fliegens. Nachdem sich die Menschen 1783 mit einem Heißluftballon erstmals in die Lüfte erhoben hatten, folgten 1891 vor den Toren Berlins Otto Lilienthals Gleitflüge und 1903 der Motorflug der Gebrüder Wright. Das nun zunehmende Interesse am Fliegen und die Einsicht, die Luftfahrt erforschen zu müssen, führten 1912 zur Gründung der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) in Berlin-Adlershof. Deren Flugzeugabteilung leitete seit dem 1. Januar 1913 Wilhelm Hoff, welcher zu dem Zeitpunkt bereits seit einigen Jahren praktisch und wissenschaftlich in der Flugtechnik wirksam gewesen war.
Wilhelm Hoff wurde am 7. Mai 1883 in Straßburg geboren. An der dortigen Universität und an der Technischen Hochschule Berlin studierte er Maschinenbau, arbeitete dann als Ingenieur bei der Motorluftschiff-Studiengesellschaft, danach als Konstrukteur für Luftschiffe und Flugzeuge und war seit 1911 Assistent an der Technischen Hochschule Aachen, wo er 1913 zum Dr.-Ing. promovierte.
Seine Dissertation handelt über Versuche an Doppeldeckern zur Bestimmung ihrer Eigengeschwindigkeit und Flugwinkel. Hoff hatte zuvor den Flugzeugführerschein erworben, und nicht nur durch seine Tätigkeit als Flugzeugbauer, sondern auch dank eigener Flüge mit einem Doppeldecker war ihm bewusst geworden, wie wichtig wissenschaftliche Studien seien, um die Konstruktion der Flugzeuge zu verbessern. In Deutschland waren bis Anfang 1911 nur Modellversuche durchgeführt worden, und so kam Hoff der Gedanke, Versuche und Messungen an fliegenden Flugzeugen selbst vorzunehmen; zuvor hatte er die benötigten Messinstrumente eigens zu entwerfen und bauen zu lassen. Hoff betonte den Wert systematischer Stabilitätsprüfungen und beklagte, dass die Stabilitätsvorzüge einer Bauart bisher dem "Empfinden und der Liebhaberei der einzelnen Flugzeugführer" überlassen gewesen seien.
Als Wilhelm Hoff für die DVL tätig war, verfasste er zahlreiche Beiträge zu Fragen verschiedener Gebiete der Luftfahrtforschung und hatte zudem von 1920 bis 1936 die Gesamtleitung der DVL inne, die sich während dieser Zeit als ein Zentrum der deutschen Luftfahrtforschung behauptete; insbesondere gelang es Hoff, dank seiner technischen Übersicht zahlreiche jüngere Kräfte zu gewinnen, die sich als bedeutende Luftfahrtwissenschaftler erweisen sollten. Zum 31. März 1936 schied Hoff aus der DVL aus, um sich nunmehr ganz seiner Professur an der TH Berlin widmen zu können, welche er bereits 1923 angetreten hatte. Die Tätigkeitsberichte der DVL aus den Jahren zuvor melden wiederholt, dass Hoff von seinen Dienstgeschäften an der TH befreit worden sei, weshalb jene Begründung stimmen kann; doch es bleibt offen, ob er diese Entscheidung traf oder treffen musste, weil er nicht mehr wohlgelitten war.
Abschließend seien die Worte eines der engsten Mitarbeiter erwähnt, welcher, als er Wilhelm Hoffs gedachte, neben den fachlichen Leistungen dessen Fähigkeit hervorhob, verschiedenartige Menschen zu sich gegenseitig ergänzender Arbeit zusammenzuführen, und allgemein Hoffs hohe menschliche Eigenschaften samt einer Harmonie aus Leib, Geist und Seele rühmte.
Lit.: Versuche an Doppeldeckern zur Bestimmung ihrer Eigengeschwindigkeit und Flugwinkel. In: Luftfahrt und Wissenschaft 6 (1913). - Zahlreiche Aufsätze, vor allem in der Zeitschrift für Flugtechnik und Motorluftschiffahrt und im Jahrbuch der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt.
[F. H.] |