Hans Hausner (* 1927)
Hans Hausner wurde am 23. Mai 1927 in Neustadt/Waldnaab geboren, studierte von 1946 bis 1951 Chemie an der TU München und promovierte dort anschließend über Spektralanalytische methodische Untersuchungen im Gleich- und Wechselstrombogen. Danach arbeitete er von 1954 bis 1961 in der Industrie; zunächst leitete er in einem Betrieb die Forschungs- und Entwicklungsabteilung im Bereich der Elektrokeramik, war entscheidend an der Entwicklung der Titanate und Ferrite beteiligt und wandte sich 1957 der Erforschung feuerfester Materialien für Glasschmelzen zu.
1961 wechselte Hans Hausner zur Europäischen Atomgemeinschaft nach Brüssel, um die Nuklearkeramik zu erforschen; erst erfolgte ein vierjähriger Gastaufenthalt in Kalifornien beim General Electric Nuclear Research Lab, bevor er dann von 1965 beim Forschungszentrum der EURATOM im italienischen Ispra tätig wurde; dort wurden anspruchsvolle Kenntnisse verlangt, denn es galt zu erforschen, wie sich Uranoxid beim Einsatz in Brennelementen für Wasserreaktoren oder wie sich Nuklearbrennstoffe für Hochtemperaturreaktoren verhalten.
1972 gelang es der TU Berlin, Hans Hausner als Professor der nichtmetallischen anorganischen Werkstoffe zu berufen, und er lehrte dort bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1994. Die vor Antritt seiner Professur sowohl in der Industrie als auch in Forschungseinrichtungen gesammelten Erfahrungen wirkten sich ungemein positiv auf seine Lehrtätigkeit aus, wie seine Schüler zu berichten wissen; zudem legte er großen Wert auf die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Universität, zwischen dem Praktiker im Betrieb und dem Wissenschaftler, weil es das Ziel jeglicher technisch-wissenschaftlichen Entwicklung sei, diese zur "industriellen Reife" zu führen.
Auch während seiner Zeit an der TU Berlin blieb Hans Hausner der Forschung verbunden, veröffentlichte zahlreiche Artikel vornehmlich über Keramik und stieg im Laufe der Jahre in diesem Bereich zu einem der weltweit bekanntesten Wissenschaftler auf; zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Eigenschaften und das Sinterverhalten keramischer Pulver, die Anwendung der Gefriertrocknung bei der Herstellung und Formgebung der Keramik und ganz allgemein die Hochleistungskeramik. Doch nicht nur als Forscher und Hochschullehrer erwarb sich Hans Hausner einen guten Namen, vielmehr übernahm er auch Verantwortung in Organisationen wie der Deutschen Keramischen Gesellschaft, deren Vorsitzender er von 1987 bis 1991 war; in dieser Funktion betonte er, dass es für ihn nur eine Keramik gebe, jedoch nicht eine der klassischen und eine der modernen Werkstoffe, und er bemühte sich um eine Überwindung der vermeintlichen Gegensätze. Besonders hervorgehoben sei noch, dass er die Notwendigkeit einer internationalen Zusammenarbeit sah und wesentlich zur Gründung der Europäischen Keramischen Gesellschaft beigetragen hat, welcher er überdies von 1989 bis 1991 vorstand.
Schüler und Kollegen rühmen Hans Hausners menschliche Seite, als Forscher genießt er ein hohes Ansehen, weshalb ihm viele nationale und internationale Ehrungen zuteil geworden sind und es in einem Tagungsbericht über ihn heißt, dass die Hörsäle gefüllt seien, wenn Hans Hausner an das Rednerpult trete: "Und niemals verlässt man den Raum ohne Erkenntnis von bleibendem Wert."
Lit.: Über einhundert Veröffentlichungen in Sammelbänden, Konferenzberichten und Zeitschriften wie Ceramic forum international.
[F. H.] |