Friedrich Wilhelm Gundlach (1912-1994)
Der Sohn eines Konzertpianisten, am 2.2.1912 in Berlin geboren, absolvierte das angesehene Askanische Gymnasium und studierte ab 1930 Elektrotechnik an der TH Berlin. Nach der mit der "sehr gut" benoteten Diplomprüfung wurde er Assistent im Institut für Hochfrequenztechnik bei Heinrich Fassbender (1884-1970), der ab 1937 auch das Heinrich-Hertz-Institut (HHI) für Schwingungsforschung leitete. Bei ihm wurde Friedrich Wilhelm Gundlach 1938 mit Auszeichnung promoviert; mit der Dissertation begann seine Liebe zu den Laufzeiterscheinungen der Elektronen in Hochfrequenz-Bauelementen, die seine Tätigkeit in Industrie und Forschung lebenslang bestimmte.
Er trat 1938 als Laboratoriumsingenieurin die alteingesessene Berliner Firma Julius Pintsch ein, wo er bald Gruppenleiter für die Entwicklung von Laufzeitröhren wurde. Nebenamtlich unterrichtete er an der Gauss-Ingenieurschule. 1942 wechselte er zur Pintsch-Tochterfirma Funkstrahl GmbH und zog mit ihr später nach Konstanz um.
1947 habilitierte sich Gundlach an der TH Karlsruhe, wurde dort Privatdozent und arbeitete zugleich als Laborleiter des Karlsruher Werks von Siemens & Halske. Im Herbst 1949 wurde er zum Ordinarius des neugeschaffenen Lehrstuhls für Elektrotechnik und Direktor des Instituts für Fernmeldetechnische Geräte und Anlagen an die TH Darmstadt berufen. Seine "Grundlagen der Höchstfrequenztechnik" von 1949 wie auch das später mitherausgegebene "Taschenbuch für Hochfrequenztechnik" gelten als Standardwerke.
1954 wechselte Gundlach als Ordinarius und Direktor des Instituts für Hochfrequenztechnik in seine Heimatstadt und -Hochschule, die TU Berlin. Hier nahm gerade das HHI seine Arbeit wieder auf, wo er die Abteilung Hochfrequenztechnik leitete, den Forschungsschwerpunkt Laufzeitröhren aufbaute und über Kabel und Hohlleiter, Halbleiter in Mikrowellen, Digitalradar, Normalfrequenz und Maser sowie Wellenausbreitung in der Atmosphäre arbeitete. Unter seiner Leitung konnte 1968 das neue Institutsgebäude eröffnet werden. Er hatte maßgeblich Anteil daran, dass das HHI 1975 in eine Bund-Land-GmbH umgewandelt wurde.
An der TU erforschte und lehrte er unterschiedlichste Gebiete auf der gemeinsamen Grundlage der Hochfrequenztechnik: Für die Mikrowellenröhrentechnik wurden neue Verfahren und Werkstoffe entwickelt, neue Methoden der Kernstrahlenmessung ermöglichten eine genauere Einschätzung der Gefährlichkeit, mit einem TV-Farbumkehrverfahren konnte die Kopie vom Negativ sofort reglergesteuert gesendet werden. Als Rektor der TU 1965-1967 begegnete er mit seiner ausgleichenden, sachlichen und zugleich entschiedenen Haltung den Spannungen des aufkeimenden Generationenkonflikts. 1979 emeritiert, würdigte die TU 1987 seine Verdienste als Mitglied des Kuratoriums, der Hauptkommission und der Stellenkommission sowie als Leiter der Forschungskommission des Fachbereichs Elektrotechnik mit der Verleihung der Ehrensenatorwürde. Für seine vielfältige Verbands-, Forschungs- und Lehrtätigkeit auf dem Gebiet der Mikrowellentechnik verlieh ihm der VDE den Ehrenring, für seine bahnbrechenden Arbeiten in der Hochfrequenztechnik wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz und der Ernennung zum Fellow des Institute of Electrical and Electronics Engineers geehrt. Gundlach starb am 27.1.1994 in Berlin.
Lit.: TU-Archiv
[B. E.] |