The shoulders on which we stand

125 Jahre Technische Universität Berlin

[TU Berlin]

[ Inhalt | vorherige Seite | nächste Seite ]

Wolfgang Giloi (* 1930) Wolfgang Giloi (* 1930)

Der Rückblick auf 125 Jahre TU Berlin ist ein Blick in die Vergangenheit und kann doch zugleich mit einem Blick in die Zukunft verbunden werden: Georg Hamel wies nämlich vor einem Dreivierteljahrhundert in einer Rektoratsrede darauf hin, dass die Förderung der technischen Wissenschaften fast unmittelbar auch volkswirtschaftliche Vorteile bringe; zudem sah er die Gefahr, dass die damalige TH Berlin ohne hinreichende finanzielle Unterstützung in absehbarer Zeit hinter den anderen deutschen Hochschulen und erst recht hinter den US-amerikanischen zurückbleiben dürfte. An mahnenden Stimmen hat es somit schon frühzeitig und auch später nicht gefehlt, denn als beispielsweise nach 1975 einige Jahre lang in Deutschland die Datenverarbeitung in immer geringerem Maße gefördert wurde, nahm das nicht jeder kommentarlos hin; vielmehr organisierte Wolfgang Giloi ein von vielen Professoren unterzeichnetes Protestschreiben, welches zunächst zwar so gut wie wirkungslos blieb; doch als ihm später das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen wurde, da pries man neben seiner wissenschaftlichen Kompetenz und seinem Ideenreichtum auch seine "beharrliche Überzeugungskraft".

Wolfgang Giloi wurde am 1. Oktober 1930 in Sobernheim geboren, studierte bis 1957 an der TH Stuttgart Elektrotechnik, war anschließend dort wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Fernmeldeanlagen und promovierte 1960 zum Dr.-Ing.; danach arbeitete er als Entwicklungsingenieur und Leiter des Rechenzentrums bei AEG-Telefunken, wurde 1965 als Professor an die TU Berlin berufen und übernahm die Leitung des Instituts für Informationsverarbeitung. Von 1971 bis 1977 lehrte er in den USA an der University of Minnesota und kehrte danach an die TU Berlin zurück, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1996 blieb; 1983 wurde er Gründungsdirektor des Forschungsinstitutes für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik der GMD in Berlin.

Wolfgang Giloi gehört zu denen, die schon in den Fünfzigerjahren die Bedeutung des Computers erkannten und sich damit beschäftigten, denn bereits während seiner Tätigkeit an der TH Stuttgart programmierte er die von Konrad Zuse entwickelte Rechenanlage Z22. An der TU Berlin baute er die erste deutsche Forschungsgruppe für Computergraphik auf und trug entscheidend dazu bei, dass an der TU Berlin ein eigenständiger Studiengang Informatik eingerichtet und zudem im Dezember 1970 der Fachbereich Kybernetik gegründet wurde, der später in Informatik umbenannt wurde; erwähnt sei in diesem Zusammenhang nur die wegweisende Konferenz Der Computer in der Universität, die im Sommer 1968 von der TU Berlin und dem MIT veranstaltet wurde und an deren Organisation Wolfgang Giloi maßgeblich beteiligt war. Jedoch besteht Wolfgang Gilois Beitrag zur Informatik vor allem in technischen Neuerungen, die so bedeutend sind, dass er mit der Diesel-Medaille als ein herausragender Erfinder ausgezeichnet worden ist; die berühmteste dieser technischen Leistungen stellt die Entwicklung des Superrechners SUPRENUM Ende der achtziger Jahre dar.

Über seinen Forschungsschwerpunkt Rechnerarchitektur hat Wolfgang Giloi ein gleichnamiges Standardwerk verfasst, welches er Konrad Zuse gewidmet hat, dem "Rechnerpionier"; in dessen Nachfolge ist Wolfgang Giloi ein Informatikpionier.

Lit.: Simulation und Analyse stochastischer Vorgänge. München und Wien 1967. - Rechnerarchitektur. Berlin u. a. 1993. - Über einhundert Aufsätze in Zeitschriften.

[F. H.]


[ Inhalt | vorherige Seite | nächste Seite ]

Pressestelle | Impressum | 17.09.2004