Felix Genzmer (1856-1929)
Als Sohn eines Juristen wurde Felix Genzmer am 22.11.1856 in Labes (Pommern) geboren. Er studierte an den THs Hannover und Stuttgart und begann 1880 seine praktischen Lehrjahre bei der Reichseisenbahn von Elsaß-Lothringen. Hier wurde er maßgeblich durch den Architekten Eduard Jacobsthal (1839-1902) beeinflusst. 1887 schied er dort aus und konnte in den folgenden drei Jahren als Assistent des städtischen Hochbauamtes in Köln einige kleinere Entwürfe ausführen und wurde danach als Stadtbaumeister in Hagen (Westfalen) vor allem mit der Provinzial-Gewerbeschule auch überregional bekannt. Seit 1894 Stadtbaumeister von Wiesbaden konnte er in dem nun größeren Wirkungskreis alle seine Begabungen zeigen. Neben einigen öffentlichen Bauten erregte vor allem der Foyeranbau des Wiesbadener Hoftheaters (1902), veranlasst durch die alljährlichen Kaiserfestspiele, Aufsehen. In Wiesbaden boten sich zahlreiche Möglichkeiten, sein dekorativ-ornamentales Können zur Wirkung zu bringen. Genzmers wesentliche Leistung bestand jedoch darin, die rege Bau- und Umbautätigkeit in der prosperierenden Kurstadt in ein umfassendes städtebauliches Konzept einzufügen. Seine Verdienste wurden 1901 mit dem Titel Kgl. Baurat gewürdigt.
1903 folgte er dem Ruf an die TH Berlin auf die Professur für Städtebau und farbige Dekoration an der Abt. Architektur, die in dieser Form auf seinen Wunsch hin eingerichtet wurde. Sie war die erste ihrer Art in Preußen. Im Nebenamt war er von 1903 bis 1920 Architekt der Kgl. bzw. Staatstheater in Berlin, beteiligte sich an zahlreichen Wettbewerben und veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, die auch in der Gegenwart nicht ohne Aktualität sind. 1905 wurde er zum Geh. Hofbaurat ernannt.
Gemeinsam mit seinem Kollegen Josef Brix (1859-1943), der das Fach Städtebau in der Abteilung Bauingenieurwesen vertrat, gründete Genzmer in WS 1907/08 das Seminar für Städtebau, Siedlungs- und Wohnungswesen. Beide beteiligten sich 1910 erfolgreich am Wettbewerb Groß-Berlin. Weder dieser noch andere damals ausgezeichnete Pläne zu diesem Großprojekt waren realisierbar. Zuvor (1908) errangen beide den ersten wie auch den dritten Platz im Wettbewerb Gartenstadt Frohnau bei Berlin, die dann im wesentlichen nach ihren Vorschlägen errichtet wurde und noch immer zu den sehenswerten Teilen Berlins zählt. Zahlreiche weitere Bebauungspläne zeigen, daß es Genzmer bei allem immer auch um die Einzelheiten ging. So wies er der Behandlung städtebaulicher Einzelaufgaben und der Architektur im Städtebau erhebliche pädagogische Bedeutung zu. Von den kleineren Arbeiten Genzmers sind die Büffelhäuser im Zoologischen Garten erwähnenswert.
Als beste und reifste Leistung im Privathausbau gilt sein Landhaus in Dahlem (Podbielskiallee), wo er auch sein Talent im Entwurf von Möbeln, Beleuchtungskörpern und Verglasungen unter Beweis stellte. In seinen späteren Jahren übte er zahlreiche Ämter als Preisrichter bei Wettbewerben und als Obergutachter aus. Die TH verlieh ihm 1925 die Ehrenmitgliedschaft. Genzmer verstarb am 6.8.1929 in Dahlem.
Lit.: F. Schultze: Zum 70. Geburtstag von Felix Genzmer, in: Zentralblatt der Bauverwaltung 46 (1926), S. 513; Erich Blunck: Felix Genzmer; ein Bild seines Wirkens zu seinem 70. Geburtstag, in: Deutsche Bauzeitung 60 (1926), S. 753-760.
[M. E.] |