Hermann Föttinger (1877-1945)
Hermann Föttinger wurde am 9. Februar 1877 in Nürnberg geboren. Nach bestandenem Abitur schrieb er sich 1895 für das Studium der Elektrotechnik an der Technischen Hochschule München ein, wandte sich aber noch während seines Studiums auch maschinenbaulichen Forschungsproblemen zu. Nach Abschluss des Studiums 1899 fand er seine erste Anstellung bei der Stettiner Schiffsbau-Anstalt Vulcan, wo er in der Versuchsanstalt für Schiffsantriebe arbeitete. Hier entwickelte er zunächst ein Torsionsdynamometer, das direkt auf die Schiffswelle montiert werden konnte und bei laufender Maschine Drehmoment, Leistung und Drehschwingung maß. Für das Torsionsdynamometer erhielt Föttinger das erste von über einhundert Patenten seines Lebens, und es war Gegenstand seiner Dissertation, mit der er 1904 in München promovierte.
Zur gleichen Zeit beschäftigte sich Föttinger mit dem Problem der Drehmomentwandlung. Man wollte auch Dampfturbinen zum Antrieb von Schiffen einsetzen. Anders als Dampfmaschinen liefern Dampfturbinen aber erst bei hohen Umdrehungszahlen optimale Leistung. Man brauchte deshalb ein Getriebe, das die hohen Drehzahlen auf die für den Propeller erforderliche niedrige Drehzahl herabsetzte, mechanische Zahnradgetriebe konnte man jedoch für die hohen Leistungen von Schiffsantrieben noch nicht bauen. Auch Föttingers Idee eines hydrodynamischen Wandlers über die Kopplung einer Pumpe und einer Turbine schien zunächst aussichtslos, da die Strömungsverluste in den Leitungen zu einem sehr niedrigen Wirkungsgrad des Getriebes geführt hätten. Erst die Idee, Pumpe und Turbine in einem Gehäuse zusammen zu legen, versprach einen akzeptablen Wirkungsgrad. Eine Versuchsausführung lieferte den erstaunlich günstigen Spitzenwirkungsgrad von 83%.
Föttinger war inzwischen bei Vulcan zum Chef des Versuchswesens aufgestiegen. 1909 wurde er auf das Ordinariat für Schiffsmaschinenbau der TH Danzig berufen. Föttinger widmete sich hier insbesondere der Strömungslehre, auf diesem Gebiet klaffte zwischen theoretisch-klassischer Hydrodynamik und empirisch-angewandter Hydraulik noch eine riesige Lücke. Schon bei Vulcan hatte er mit Untersuchungen zur Kavitation begonnen, die erhebliche Zerstörungen an Schiffspropellern verursachen kann. In Danzig wies er nun nach, dass diese Zerstörungen durch die mechanischen Kräfte bei der Implosion der Dampfblasen verursacht werden, die durch die Kavitation entstehen. Grundlegende Forschungsbeiträge lieferte Föttinger auch auf den Gebieten der Propellertheorie, der Wechselwirkung zwischen Schiff und Propeller und der Simulation der Strömung um Schiffskörper.
1924 wurde Föttinger an die TH Berlin auf den Lehrstuhl für Allgemeine Strömungslehre und Turbomaschinen berufen, den ersten Lehrstuhl in Deutschland, der die Bezeichnung Strömungslehre trug. Er machte sich engagiert an den Aufbau eines neuen Instituts und sammelte eine Schar begabter Mitarbeiter um sich, die er zu Forschungen auf verschiedenen Gebieten der Strömungslehre anregte. In Berlin entstanden Forschungsbeiträge zur Spülströmung in Motoren, der Rauchgasführung in Kesseln sowie über die Kohlenstaubturbine. Föttinger starb 68-jährig in den letzten Kriegstagen am 28. April 1945 in Berlin, nachdem er in der Nähe seines Wohnhauses von einem Bombensplitter getroffen worden war.
Lit.: Föttinger-Getriebe. Vorträge auf dem Festkolloquium anlässlich der 100. Wiederkehr des Geburtstages von Hermann Föttinger, Fortschritt- Berichte der VDI-Zeitschriften, Reihe 7 Nr. 45, 1977
[J. Z.] |