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125 Jahre Technische Universität Berlin

[TU Berlin]

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Hanswerner Dellweg (*1922)Hanswerner Dellweg (*1922)

Der am 19.2.1922 in Aschaffenburg geborene Hanswerner Dellweg studierte ab 1940 Chemie an den Universitäten Köln und Frankfurt/M. 1941 wurde er als Soldat eingezogen und konnte das Studium erst nach französischer Kriegsgefangenschaft 1947 in Heidelberg fortsetzen. Dort wurde er 1952 mit einer Arbeit über Nucleinsäuren promoviert: Ein Jahr vor Aufdeckung der Doppelhelix-Struktur von DNS isolierte er die Desoxinucleoside aus roher DNS, stellte sie präparativ dar und untersuchte ihr Verhalten im Stoffwechsel von Bakterien.

Seit 1948, als Werkstudent bei den Aschaffenburger Zellstoffwerken, hatte Dellweg sich mit der Vergärung und Verhefung von Sulfitablaugen sowie der Technik zur Gewinnung von Sulfitsprit befasst und dabei neue Analysemethoden entwickelt. Nach der Promotion trat er nun als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in das Biochemische Labor dieser Firma ein. Hier erarbeitete er Methoden der Anreicherung und Reindarstellung von Corrinoiden aus Faulschlamm, einer Substanzgruppe, zu der das Vitamin B12 gehört. Ab 1956 leitete Dellweg eine halbtechnische Versuchsanlage zur Gewinnung von Vitamin B12; dabei gelang ihm mit Hilfe von Colibakterien die in-vitro-Synthese von Analogen des Vitamins B12, dessen Konstitution Todd u.a. erst 1955 aufgeklärt hatten (Totalsynthese 1971 durch Eschenmoser).

1960 ging Dellweg als Wissenschaftlicher Rat an das Institut für Therapeutische Biochemie der Universität Frankfurt. Hier forschte er u.a. über strahlenchemische Veränderungen von Nucleinsäuren und habilitierte sich 1965 für Therapeutische Biochemie.

1967 wurde Dellweg auf den Lehrstuhl für Gärungstechnologie - später Biotechnologie - an die TU Berlin berufen, der außerhalb der TU im Institut für Gärungsgewerbe (Seestraße) untergebracht war. Seit 1968 wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Gärungswissenschaften, untersuchte er klassische Probleme der Gärungs-Chemie bis hin zur vollständigen Kohlehydratzusammensetzung in fermentierenden Würzen, Stoffwechsel in Hefen und Enzymkinetik. Gegen großen Widerstand gelang es Dellweg in den 1970er Jahren, den ersten eigenen Studiengang Biotechnologie Deutschlands an der TU zu etablieren. Als Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Biotechnologie sah er seine Aufgabe darin, Ingenieuren und Verfahrenstechnikern biologisches Denken und Grundkenntnisse der Mikrobiologie zu vermitteln, sodass sie biotechnologische Aufgaben ohne Doppelstudium lösen können. Er las über Biochemie, Industrielle Mikrobiologie, Regulation des mikrobiellen Stoffwechsels und Reaktionskinetik der Fermentation. Er forschte über Hefen zur Gewinnung von Einzellerprotein aus Erdöl-Fraktionen, Methanol als Kohlenstoffquelle für Hefen und Bakterien sowie Grundlagen der anaeroben Abwasserreinigung. Seit 1975 versah er den Lehrauftrag "Verfahren der Biotechnologie" an der Freien Universität Berlin.

Dellweg organisierte in Berlin die Symposien "Technische Mikrobiologie" der Jahre 1970, 1975, 1979 und 1982, wurde 1976 Vice-Chair-man der Fermentation Commission und 1979 Chairman der Commission of Fermentation Industries der IUPAC und gab den Ergänzungsband "Biochemie" des Römpp-Chemielexikons heraus. 1977 wurde erzum auswärtigen Mitglied der Finnischen Akademie der Technischen Wissenschaften gewählt. Seit der Emeritierung 1990 lebt Dellweg im Fichtelgebirge.

[B. E.]


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Pressestelle | Impressum | 17.09.2004