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125 Jahre Technische Universität Berlin

[TU Berlin]

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Carl Dahlhaus (1928-1989)Carl Dahlhaus (1928-1989)

Carl Dahlhaus wurde als Sohn eines Ingenieurs am 10.6.1928 in Hannover geboren. Schon früh musikbegeistert, erwirkte er für sich Klavierunterricht. Die höhere Schulbildung hingegen wurde zeitbedingt durch Dienste als Flakhelfer, im Arbeitsdienst und an der Front ersetzt; das Abitur konnte er erst nach dem Besuch eines Kriegsteilnehmerkurses ablegen. Durch einen Freund der Familie früh mit verbotener Literatur bekannt gemacht, begann er ungewöhnlich belesen 1947 zunächst das Studium der Rechte, dann der Musik- und Literaturwissenschaft in Göttingen und Freiburg. Noch als Student wurde er durch Empfehlung von Bertolt Brecht Dramaturg bei Heinz Hilpert (1890-1967) am Deutschen Theater in Göttingen, wo er an der Universität 1953 mit einer Arbeit über Josquin des Prés promoviert wurde.

1960 wechselte Dahlhaus als Musikredakteur an die Stuttgarter Zeitung. So konnte er zu Uraufführungen bedeutender Werke der Neuen Musik reisen, gleichzeitig forschte er über Renaissancemusik, Musikästhetik, -theorie und -analyse. 1962-1966 arbeitete er als Wissenschaftlicher Sachbearbeiter an der Universität Kiel, an der er sich 1966 mit "Untersuchungen über die Entstehung der harmonischen Tonalität" für Musikwissenschaft habilitierte. Nach kurzer Zeit an der Universität Saarbrücken wurde er als Nachfolger von Hans Heinz Stuckenschmidt (s.d.) 1967 auf den Lehrstuhl für Musikwissenschaft an die TU Berlin berufen, der er bis zu seinem Tod treu blieb; er lehnte alle Rufe anderer Universitäten ab, lehrte aber zwei Gastsemester in den USA (u.a. Princeton).

Dahlhaus verschaffte nicht nur als unermüdlicher Lehrer und geistvoller Diskutant seinem "Orchideenfach" eine ungewöhnliche Geltung. Er schrieb auch 25 Bücher, über 400 Aufsätze und weit über 150 Glossen, Musikkritiken und Buchrezensionen. Er gab das von ihm begründete Neue Handbuch der Musikwissenschaft, Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters und die Ergänzungsbände zu Riemanns Musiklexikon heraus und war Mitherausgeber von vier Fachzeitschriften. Der Mitbegründer der Darmstädter Musiktage und zeitweilige Präsident der Gesellschaft für Musikforschung war Mitglied der Akademie für Sprache und Dichtung und des Musikrats. Mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern und der Aufnahme in den Orden Pour le mérite wurde der Schriftsteller, Wissenschaftler und Organisator gewürdigt.

Dahlhaus schuf der Musikwissenschaft eine neue Grundlegung, indem er sie methodisch bereicherte, Geschichtstheorie, Musikästhetik, Musiktheorie und -analyse miteinander verbindend. Seine Studien zur Vorgeschichte der Neuen Musik - er hatte Schönbergs Werke mit herausgegeben - führten Dahlhaus zur "Musik des 19. Jahrhunderts" (1980), die er der Musikwelt nicht nur mit der Richard-Wagner-Gesamtausgabe, sondern auch musiktheoretisch und -ästhetisch neu erschloss. Zunehmend historisch denkend, fasste er Musik, bei voller Anerkennung ihrer Autonomie, als Kunstform auf, die an den das jeweilige Zeitalter bestimmenden Ideen teilhat.

Umfassend gebildet, witzig, rational und mit entschiedenem Urteil bereicherte er jede Diskussion. Seine Liebenswürdigkeit, ja Lebensfreude ließen viele nichts von seinen schweren Erkrankungen ahnen, denen er seine fundamentalen, immer geistreichen Werke abgerungen hatte. Er erlag am 13.3.1989 in Berlin seinem langen Leiden.

Lit.: Hrsg. H. Danuser u.a.: Das musikalische Kunstwerk. Geschichte, Ästhetik, Theorie. Festschrift Carl Dahlhaus zum 60. Geburtstag, Laaber, 1988. - Rudolf Stephan: Carl Dahlhaus (1928-1989), in: Die Musikforschung 42 (1989), S. 203-206.

[B. E.]


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Pressestelle | Impressum | 17.09.2004