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125 Jahre Technische Universität Berlin

[TU Berlin]

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Ferdinand Bohlmann (1921-1991)Ferdinand Bohlmann (1921-1991)

Ferdinand Bohlmann wurde am 28.8.1921 in Oldenburg geboren und begann im Kriegsjahr 1939 in Göttingen das Chemiestudium. Trotz Kriegsdienst und Verwundung erwarb er bereits 1944 das Diplom und wurde mit einer bei Hans Brockmann (1903-1988) angefertigten Dissertation über Solvatochromie in der Pyridinreihe 1946 in Göttingen promoviert. Anschließend arbeitete in Marburg bei Hans Herloff Inhoffen (1906-1992) am physiologisch-chemischen Institut, dem er nach Braunschweig folgte. Nach der Habilitation wurde er 1952 Diätendozent und 1957 apl. Professor. Bereits 1954 wurde er mit dem wenige Jahre vorher eingerichteten Dozentenpreis des Fonds der Chemischen Industrie ausgezeichnet, 1958 erfolgte die Verleihung des Göttinger Akademiepreises. Für das nach dem Weggang von Friedrich Weygand (1911-1969) freigewordene Ordinariat für organische Chemie war Bohlmann für die TU der geeignete Nachfolger. 1959 nahm er die Arbeit am Institut für Organische Chemie auf, und bald wuchs die Mitarbeitergruppe zu stattlicher Größe. 1974 wurde er von der GdCh mit der Verleihung der Otto-Wallach-Plakette geehrt. Trotz vieler internationaler Kontakte und weitreichender Anerkennung seiner Leistung blieb es ausschließlich bei diesen nationalen Würdigungen. Er starb am 23. September 1991.

Bohlmanns Leidenschaft galt den Naturstoffen, ihrer Isolierung, Strukturaufklärung und Synthese. Er war ein Meister im geschickten Einsatz der spektroskopischen Methoden "Bohlmann-Bande" in der IR-Spek-troskopie, in der Entwicklung der synthetischen Verfahren und dem effizienten Einsatz der Mitarbeiter. Ausgezeichnet durch ein bewundernswertes Gedächtnis und getrieben von großer Ungeduld, ohne dabei in der Präzision Abstriche zu machen, machten Disziplin und Beharrlichkeit ihn mit seinem Arbeitskreis zu einem der weltweit produktivsten Teams. 1453 Veröffentlichungen sind das sichtbare Ergebnis.

Sein Hauptinteresse galt den Terpenen und den Polyinen, und es ließ sein Herz höher schlagen, als er diese auch in der Natur fand. Noch in Braunschweig erkannte er die Compositen als besonders geeignete Untersuchungsobjekte. Die fast unerschöpfliche Vielfalt der Polyine und ihrer direkten Abkömmlinge begeisterte ihn dann sein ganzes Forscherleben lang. Isolierung, Strukturbestimmung und Synthese waren die eine Sache, das Erkennen der gegenseitigen Beziehungen, die Biogenese und Biotransformation die andere. Es erforderte, ganz der Bohlmannschen Denk- und Arbeitsweise entsprechend, die niedermolekularen Inhaltsstoffe in voller Breite zugänglich zu machen. Somit stellen Bohlmanns Arbeiten auch wichtige Beiträge zur chemischen Taxonomie dar. Bohlmann und C. Zdero begannen schon in den 60er Jahren mit der karteimäßigen Erfassung der Daten. In Verbindung mit dem Botanischen Garten Berlin entstand eine Arbeitsgruppe Biodiversitätsinformatik, die - längst als Datenbank betrieben - die "Bohlmann-Files" betreut. Ein zweites Interessengebiet betraf Verbindungsklassen wie die Chinolizidine, die ihn auf Grund ihrer Stereochemie und Konformationsanalyse fesselten.

Lit.: Ekkehard Winterfeld: Ferdinand Bohlmann (1921-1991) und sein wissenschaftliches Werk, in: Liebigs Annalen der Chemie 1994, S. I-X; Henry Laurent u. Rolf Bohlmann: Publikationen von Ferdinand Bohlmann 1948-1992, ibid. S.XI-XXXIV.

[M. E.]


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Pressestelle | Impressum | 17.09.2004